So. Jetzt hab ich mir spontan ein Blog gebastelt, weil: Ich finde, über Krebserkrankungen gehört kommuniziert. Außerdem hab ich einerseits Probleme mit der Ernährung (neue Unverträglichkeit durch Chemo), andererseits hab ich schon immer gern und kreativ gekocht, Rezepte erfunden und teilweise auch online geteilt. Also ... los geht's.
Der Anfang
Irgendwann zu Beginn 2022 (Ende Jänner oder Anfang Februar) bekam ich erstmals schlimme Bauchschmerzen. Hab mir nix dabei gedacht. Zwei Tage nix gegessen (das hat mein Körper so entschieden) und dann ging es wieder. Mit Schonkost halt - überwiegend Gemüsereis, aber das kannte ich schon als einzig wahre Ernährung bei Pollenallergie (wegen Histamin), also nicht schlimm.
Dann kamen die Bauchschmerzen wieder und gingen nicht so schnell weg. Ich konnte und wollte kaum noch was essen, lag fast nur noch im Bett, musste die Nachbarn bitten, mit meinem Hund Gassi zu gehen. Dass ich schon lange richtig krank war (u.a. schwere Depression) war mir irgendwie im Hinterkopf bewusst, aber ich wollte es nicht wahr haben.
Nach drei Wochen weitgehender Bettlägerigkeit nahm sich dann meine Schwester der Sache an, organisierte einen Hausbesuch des Psychosozialen Notdienstes Wien (Psychiater diagnostizierte schwere Depression) und schickte mir dann meinen Hausarzt. Der schickte mich umgehend ins Krankenhaus. Anfangsvermutung deckte sich mit meiner eigenen, nämlich dass es einfach eine Darmentzündung sei. Die CT zeigte dann was anderes.
Ca. um Mitternacht landete ich auf der Chirurgie, wurde untersucht, kriegte ein Zimmer und schlief glücklich und zufrieden ein, weil ich mit meinem Problem nicht mehr allein war und alles gar nicht so schlimm war, wie ich befürchtet hatte. (Ich hatte eine Scheißangst vor Krankenhäusern, Ärzten und Bevormundung.)
Meine Schwester sagte mir später, dass ich kaum zurechnungsfähig war. Ich kann das nicht beurteilen. Ich weiß, dass es mir sehr schlecht ging. Ich wurde aber durchaus ernst genommen und man hat sich gut um mich gekümmert. Ich musste dann irgendwie gar nix mehr machen, alles lief von selbst.
Über den weiteren Verlauf werde ich wahrscheinlich später noch erzählen. Derweil ist das aber nur ein Einstieg.
Für alle, die es genauer wissen wollen (der Rest schaut jetzt bitte weg, es wird ein bisschen unappetitlich): Ich habe ein Adenokarzinom im Rektum mit Lebermetastasen. Gute Heilungsprognose. Da Gefahr von Darmverschluss bestand, wurde ein Ileostoma angelegt. Das ist ein künstlicher Darmausgang aus dem Dünndarm - ein Stück Darm steht aus dem Bauch raus. Ich nenne es liebevoll "mein Würmchen", weil es genau so aussieht. Wer hat schon Gelegenheit, seinen eigenen Darm in Bewegung zu betrachten.
Der Grund für dieses Blog
Warum ich mich entschlossen habe, hier zu schreiben, ist nicht ein Krebs-Selbsterfahrungs-Blog. Mir geht es um Ernährung. Das Thema wird von Mediziner:innen und Pflegepersonal sträflich missachtet. Abgesehen von meinen persönlichen Ernährungs-Herausforderungen (Laktoseintoleranz seit über 20 Jahren, jüngst durch Chemo auch Milcheiweiß-Unverträglichkeit) gibt es Dinge, die ich gern im Rahmen meiner medizinischen Betreuung erfahren hätte. Abgesehen von einer Ernährungsberatung bezüglich meines Ileostomas ist da aber rein gar nix passiert. Alles, was ich weiß, habe ich zuerst von meiner Schwester erfahren (sie ist im Laufe ihres Lebens notgedrungen zum Ernährungsprofi für sich selbst geworden und stellt mir jetzt ihr Wissen zur Verfügung, hat aber keine einschlägige Ausbildung) und dann durch eigene Recherchen vertieft.
Zu Beginn meiner Erkrankung war ich sehr lange im Spital und dann in einem Pflegeheim, weil (dankenswerterweise) entschieden wurde, das ich vorerst alleine nicht zurecht komme. Jetzt (heute ist der 8. September 2022) bin ich seit ca. einem Monat wieder zu Hause und es geht mir gut dabei. Zeit, das Leben wieder in die Hand zu nehmen. Körperlich bin ich noch sehr eingeschränkt (unglaublich, wie schnell man ermüden kann), aber mein Kopf funktioniert wieder. Am PC sitzen und tippen ist auch körperlich vertretbar. (In Grenzen. Muss aufpassen wegen Verspannungen. Holy shit. Hatte ich fast vergessen in all der Zeit.)
[Falls jemand das Gefühl hat, dass ich zu viel und teilweise am Thema vorbeiquassle - das war schon immer so. Hat andere Gründe und dieses Fass mach ich jetzt nicht auf. :-D]
Krebs und Ernährung – was ich bisher darüber in Erfahrung gebracht habe
Okay, also zur Sache. Begonnen hat die Ernährungsgeschichte eigentlich mit einer neuen Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ich hab seit gut 20 Jahren Laktoseintoleranz. Das war ein kleines Problem im Spital, ein ziemlich großes im Pflegeheim, aber es wurde als existente Einschränkung betrachtet. Dann kriegte ich durch die Chemo (und möglicherweise durch zu viel Milchprodukte) zusätzlich eine Milcheiweiß-Unverträglichkeit. Nein, das hat kein Arzt diagnostiziert (Ärzte sind über sowas erhaben), sondern es ergab sich durch Ausprobieren nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Ich bekam nach meiner zweiten oder dritten Chemo Husten und Schnupfen, der nicht mehr aufhören wollte, immer schlimmer wurde, bis alle Nebenhöhlen komplett zu waren und ich mit drei Taschentüchern pro Schnäuz-Einheit nicht mehr auskam, aber keine infektiösen Ursachen hatte. Niemand scherte sich drum. Außer meiner Schwester, die mir empfahl, mal probehalber Milchprodukte komplett wegzulassen.
Nach zwei, drei Tagen war es deutlich besser und nach einer Woche war es weg. Empirisch gesehen ist das eindeutig: Die (obgleich laktosefreien) Milchprodukte waren die Ursache. Inzwischen weiß ich, dass Milcheiweißunverträglichkeit recht häufig vorkommt. Butter (die Eiweiß und Laktose nur in Spuren enthält) vertrage ich gut, alles andere nicht. (Die diesbezüglichen Leiden der alten Gudrun im Pflegeheim werd ich euch ein andermal schildern. Unterhaltungswert garantiert - Schildbürga lässt grüßen.)
Das mal beiseite - niemand hat mir gesagt, dass Tumore(n) Zucker fressen.
Ich hatte immer Gewichtsprobleme in die andere Richtung - musste also aufpassen, dass ich nicht zunehme, bzw. habe zugenommen. Vor meiner Erkrankung war ich mal wieder deutlich übergewichtig. Bei Eintritt in die Krankenhauspflege immer noch ein bisschen. Dann hat man mir gesagt, dass ich nach Möglichkeit nicht abnehmen soll, egal ob Übergewicht oder nicht. Ich hab gefressen wie ein Scheunendrescher - zum Glück hatte ich nie Übelkeitsprobleme durch die Chemo - und trotzdem weiter abgenommen. Nicht schlimm, aber kontinuierlich. Konnte mir das nicht erklären.
Und dann die Erleuchtung. Krebszellen ernähren sich von Zucker und anderen kurzkettigen Kohlenhydraten. Also von dem, was man als (schonende) Krankenhauskost so kriegt. Sie fressen den Patient:innen buchstäblich alles weg, was in dem Bereich zugeführt wird. Und wachsen. Und wachsen. Und wachs...
... Moment mal. Kann man das nicht stoppen? Ändern?
Klar kann man. Patient:innen brauchen fett- und proteinreiche Kost. Mehr Fett und mehr Eiweiß als gesunde Esser:innen.
Ich will jetzt nicht motzen, aber ... das scheint seit Jahren medizinischer Forschungsstand zu sein, trotzdem macht sich niemand die Mühe, Patient:innen darüber zu informieren. Von der Kost mal ganz zu schweigen. Wobei ich sagen muss, ich hatte im Spital - zumal auf der Onkologie - nie ernsthaft Probleme, meine Bedürfnisse anzumelden und durchzusetzen. (Anders im Pflegeheim ... okay, anderes Thema.)
Aber eben ... niemand informiert. Ich musste das selber rausfinden bzw. meine Schwester hat für mich recherchiert.
Es geht mir eindeutig besser, seit ich meine Ernährung dem angepasst habe. Zuerst schon im Heim, meine Schwester hat mir Sachen mitgebracht. Seit ich zu Hause bin ist es natürlich viel einfacher.
Pläne – was hier entstehen soll
Ich hab immer gern und kreativ gekocht. Das geht momentan nur eingeschränkt. Außerdem bin ich keine Kochbloggerin - hübsche Fotos von meinem Essen könnt ihr euch in die Haare schmieren. (Nicht wirklich, aber ich wollte sowas mal sagen. Es fühlt sich cool an.)
Abgesehen von den Fotos also ... ich würde gern meine Erfahrungen mit euch teilen. Vielleicht auch unausgegorene Ideen.
Hab langjährige Vorerfahrung im Kochen mit Halbfertigteilen, weil ich meistens zu faul war, für mich allein "richtig" zu kochen. Ich bestelle online. Hatte monatelang Zeit, alle Produktinfos zu lesen und die für mich in Frage kommenden Produkte abzuspeichern. Es gibt eine beschränkte Palette von Fertiggerichten, die für mich in Frage kommen, und es ist gut zu wissen, dass ich sie mit einfachen Mitteln ergänzen kann.
Mein derzeit wichtigstes Tool ist die Mikrowelle. Ich hatte nie eine. Hab sie extra für diese Situation erworben und bin sehr angetan. (Zumal mein Gasherd laut Installateur zum Knicken ist ... zumindests das Backrohr kann ich wohl nicht mehr verwenden.) Kochen mit der Mikrowelle wird glaub ich ein zentrales Thema dieses Blogs sein, zumindest für eine Weile.
Das Wichtigste aber ist: Wir bleiben cool und entspannt, stressen uns nicht und tun uns Gutes.
In diesem Sinne ... ich geh jetzt duschen und dann räuchere ich meine Wohnung mit Palo Santo. :-)
Bild von Marcello Rabozzi auf Pixabay

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